Die Digitalisierung verändert grundlegend die Zugangswege zu Informationen und Unterstützungsangeboten. Gleichzeitig gewinnen Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz zunehmend an Bedeutung und werden bereits heute von vielen Menschen für gesundheitsbezogene Fragestellungen genutzt. Besonders im noch immer schambesetzten Bereich der Suchthilfe suchen viele Menschen zunächst möglichst anonym online nach Rat. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen und die professionelle Suchthilfe zukunftsweisend auszurichten, muss sich diese mit Digitalisierungsprozessen auseinandersetzen. 

Wolfgang Rosengarten fasst die aktuellen Herausforderungen in 4 Punkten zusammen:

1. Realitäten anerkennen (Problembewusstsein schaffen): Eine Verweigerungshaltung gegenüber der Nutzung von Tools, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren, ist wirkungslos. Das Hilfesystem steht durch Fachkräftemangel und strukturelle Probleme ohnehin unter Druck, und KI ist längst in den Lebenswelten der Klient:innen (z. B. als Companion-KI) und im Alltag der Mitarbeitenden (als Schatten-KI) angekommen. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass sich eine Einrichtung langfristig dem Einfluss von KI entziehen könnte.

2. Entmystifizieren und Befähigen (Wissen vermitteln): Erst wenn das Fachpublikum versteht, wie KI funktioniert, kann es Chancen (wie administrative Entlastung, Übersetzungen) und Risikofelder (wie Diagnostik- und Prognosetools) erkennen und unterscheiden.

3. Die Politik sensibilisieren (Infrastruktur der ambulanten Suchthilfe nachhaltig absichern): Die Nutzung von KI-Tools kostet Geld. Mit übergreifenden Finanzierungsinstrumenten von Kommunen, Ländern und dem Bund können die Entwicklungen beschleunigt und enorme Einsparpotenziale realisiert werden.

4. Vom passiven Zuschauer zum aktiven Gestalter werden (Ethisches Mandat): Suchthilfe sollte KI nicht als Bedrohung der eigenen Arbeit ansehen, sondern als Werkzeug, das man selbst nach eigenen ethischen Standards (z. B. Potsdamer Memorandum, „Human in the loop“) prägen muss. Das Ziel ist eine Suchthilfe, die digitale Räume nicht kommerziellen Anbietern überlässt, sondern aktiv sichere, datenschutzkonforme und fachlich fundierte Angebote für schutzbedürftige Menschen mitentwickelt, um die eigene Handlungsfähigkeit zu sichern und Klient:innen in einer KI-geprägten Lebenswelt kompetent zu begleiten.

Der vollständige Artikel von Wolfgang Rosengarten ist im Magazin Konturen erschienen und unter folgendem Link verfügbar: KI in der Suchthilfe – Konturen

Beratungsplattform DigiSucht 

Das bundesweite Suchtberatungsportal DigiSucht wurde 2022 im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes entwickelt und seitdem stetig ausgebaut. Ratsuchende können mit Hilfe der Plattform anonym und kostenfrei mit Suchtberater*innen aus den angeschlossenen regionalen Suchtberatungsstellen in Kontakt treten. Weiterführende Informationen erhalten Sie unter Über DigiSucht: Ihre Anlaufstelle für Online-Suchtberatung

Für Ratsuchende ist DigiSucht (www.suchtberatung.digital) ein niedrigschwelliger, digitaler Weg in die professionelle Suchtberatung. Gleichzeitig bietet die datenschutzkonforme Plattform das Potenzial für eine zukunftsgerichtete Beratung, welche die Verbindung von digitalen und face-to-face Kontakten  ermöglicht (Blended Counseling).

Suchtberatungsstellen können mittels der DigiSucht -Plattform ein breites Spektrum an digitaler, DSGVO-konformer Beratung umsetzen. Zur Verfügung stehen beispielsweise folgende Funktionen:

  • Textchat, Nachrichten, Videochat, Gruppenvideochat,
  • digitales Terminmanagement,
  • Dokumentationsmöglichkeiten,
  • Tools für strukturierte, digitale Beratungsprozesse (u.a.Konsumtagebücher, Motivationswaage, Notfallkoffer). 

Die SLS übernimmt die Landeskoordination von DigiSucht. Für nähere Informationen zur Implementierung von DigiSucht in ihrer Suchtberatungsstelle können Sie sich gern uns uns wenden.

Chatbot für Suchtfragen - SuchtGPT

SuchtGPT stellt einen wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung der digitalen Suchthilfe in Deutschland dar. Ziel des von der Delphi Gesellschaft für Forschung, Beratung und Projektentwicklung mbH umgesetzten Projektes war, die Potenziale generativer KI für die Suchthilfe zu erproben und einen speziell auf die Bedürfnisse von Ratsuchenden, Umfeldpersonen und Fachkräften zugeschnittenen Chatbot bereitzustellen.  Der Chatbot kann anonym und niedrigschwellig genutzt werden. 
Im Vergleich zu anderen Angeboten:

  • basieren die Antworten des Chatbots rein auf fachlich ausgewählten und qualitätsgesicherten Quellen.
  • wird das System dauerhaft fachlich begleitet, evaluiert und weiterentwickelt.
  • erfolgt die Verarbeitung sensibler Informationen in einem kontrollierten Rahmen und dient nicht dem Training kommerzieller KI-Systeme oder anderen wirtschaftlichen Zwecken.
  • ist SuchtGPT eine datenschutzkonforme Alternative zu vielen allgemein verfügbaren KI-Anwendungen.
  • soll SuchtGPT nicht als Ersatz für professionelle Beratung dienen. Das System ist darauf ausgerichtet, Ratsuchende aktiv in weiterführende Hilfsangebote bzw. in eine persönliche Beratung über DigiSucht zu überführen.

Die geplante Einbindung des Chatbots auf der DigiSucht-Plattform soll diesen Ansatz verstärken, indem Ratsuchende gezielt an digitale Beratungsangebote und regionale Suchthilfeeinrichtungen verwiesen werden. Gleichzeitig wird einer problematischen „Daueranbindung“ an eine KI bewusst entgegengewirkt.

bundesweite digitale Beratungsangebote

DigiSucht DigiSucht: digitale Suchtberatung, professionell und anonym

Caritas Deutschland  Suchtberatung im Internet (caritas.de) 

Diakonie Deutschland Diakonie

KI-Chatbot für Suchtfragen SuchtGPT